Glauben und Leben im Seelsorgebereich Deutz-Poll

Fortschreibung des Pastoralkonzepts 2012 - Stand: 09.11.2020

Das Konzept im Einzelnen

Im Jahr 2012 verabschiedete der Pfarrgemeinderat ein Pastoralkonzept für den Seelsorge­bereich Deutz-Poll. Die soziologischen Parameter haben sich inzwischen nur unwesentlich verschoben. Zu benennen ist allerdings die fortschreitende Gentrifizierung in Deutz. Größere Veränderungen sind darüber hinaus zu erwarten, wenn sowohl im Bereich von St. Urban (KHD-Gelände), in Deutz (Hafen-Restrukturierung) und in Poll (Im Wasserfeld) große Neu­baugebiete erschlossen werden.

Schon jetzt ist aber der Wandel der pastoralen Situation die größere Herausforderung: Die abnehmende Bindung an die Kirche sowie der Verlust von Glaubwürdigkeit und Bedeutung unserer Kirche sind offensichtlich. Es ist immer herausfordernder, zur Teilnahme am kirch­lichen Leben und zum ehrenamtlichen Engagement einzuladen und zu motivieren. Vom Pastoralen Zukunftsweg im Erzbistum wünschen wir uns neue Perspektiven, die wir auf­greifen und für unsere Veedel weiterführen können.

Gleichzeitig befinden wir uns in der aktuelle Corona-Pandemie in einer unerwarteten Krise, die für jeden selbst sehr unterschiedlich belastend ist. Trotz aller Ratlosigkeit und aller Ängste vertrauen wir als Christinnen und Christen, dass wir in unserem Glauben immer wieder neu Hoffnung für die Zukunft finden können.

Diese Krisenzeit offenbart zugleich eine tiefe Sehnsucht der Menschen nach Gemeinschaft und Heimat im Glauben. Das stellen wir derzeit in unseren Familien, Freundeskreisen, in den Gemeinden und Veedeln ganz besonders fest. Daher sagen wir: Eine Gemeinde lebt ganz wesentlich auch, indem sie sich versammelt. Die Versammlung im Raum der Kirche stellt dabei in vielfältiger Weise die Beziehung zu Jesus Christus in den Mittelpunkt. Neben der Sehnsucht nach Gottesdiensten spüren wir aber auch, dass genauso Begegnungen vor Ort zwischen den Menschen fehlen.

Vor diesem Hintergrund – Hoffnung für die Zukunft und Sehnsucht nach Heimat und Begeg­nung – haben wir das existierende Pastoralkonzept im Folgenden ergänzt. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf den Gemeinden vor Ort, in denen wir als Kirche die Nähe zu den Menschen suchen und die durch ihre Zentren weiterhin Heimat für Gläubige sein sollen.

1. Kirche im Seelsorgebereich Deutz-Poll – damit Gott ins Denken einfällt.

Unser Leben wird durch viele „Zu-Fälle“ geprägt. Über Jahrhunderte war es selbstver­ständ­lich, darin Gottes Wirken zu sehen. In einer Welt, in der vieles wissenschaftlich erforscht ist und erklärt werden kann, gilt diese Haltung eher als naiv.

Wir rechnen damit, dass die Frage nach Gott nicht im Mittelpunkt des Interesses steht, wenn Menschen die Dienstleistungen der Kirche an den Orten kirchlichen Lebens suchen.

Von diesen Menschen her soll sich unser pastorales Handeln leiten lassen. Ihre Hoffnung, an unseren Orten kirchlichen Lebens etwas „Gutes“ zu erfahren, spiegelt die Sehnsucht gött­lichen Wirkens in der Welt, der sich den Menschen immer wieder zuwendet „damit es dir gut geht“ (u.a. Dtn 6.3).

Wir glauben, dass dieser Dialog mit diesen Menschen viel Selbstverständliches hinterfragt und zugleich unser Bild vom Wirken Gottes in der Welt in neuer Vielfalt öffnen wird. Wichtige pastorale Grundhaltungen sind dabei:

  • Gemeinschaft ist wichtiger als individuelle Profilbildung, gemeinsamer Glaube hilfreicher als privater Glaube.
  • Sich für „Größeres“ (Göttliches) einsetzen ist wichtiger als Selbstzufriedenheit im Kleinen.
  • Orientierung an den Menschen ist wichtiger als Angebotserweiterung.
  • Gottesbeziehung ist wichtiger als Beziehung zur Kirche, Frieden mit Gott wichtiger als Frieden mit den Institutionen der Kirche.

Kirchliches Handeln nährt sich aus der Einheit von Gottes- und Nächstenliebe. So ist bei aller Orientierung am Menschen immer auch die Frage nach dem Willen Gottes zu stellen. Wie kommt er in unserem Handeln vor, was müssen wir von ihm erbitten, woran sollen die Menschen erkennen, dass er mit uns am Werk ist? Die Antworten stellen gleichsam den Wahrheitstest für unsere Idee von katholischer Kirche dar.

Diese Haltungen sind gleichfalls Leitbild für ein Netzwerk der unterschiedlichen Orte kirchli­chen Lebens in unserem Seelsorgebereich.

2. Orte kirchlichen Lebens in unserem Seelsorgebereich

In einer Vielzahl von Gruppierungen und Einrichtungen leben und arbeiten Christinnen und Christen in loser Verbindung zu den Pfarreien, um das Zeugnis der Kirche in Wort und Tat umzusetzen. Sie bilden in unterschiedlicher Verbundenheit zu den Pfarreien „Gemeinden in der Gemeinde“. Sie sind Brücken von einem selbstgestalteten Glauben zu dem diesen Glau­ben ordnenden und stützenden Glaubensfundus der Kirche in der Person Jesu Christi. Er lehrt uns, die Geister zu unterscheiden und der Welt eine „Frohe Botschaft“ zu bringen: „Ich bin mit Euch, alle Tage, bis zum Ende der Welt“ (Mt 28.20).

  1. Den Pfarreien zugeordnete Gruppen und Einrichtungen: Kolping, Schützen, KJG (Katholische junge Gemeinde), kfd (Katholische Frauengemein­schaft Deutschlands), Büchereiteams, Kirchenchöre, Caritas-Gruppen, u.a.
  2. Betreuungs- und Pflegeeinrichtungen mit regelmäßigen Kontakten zu den Pfarreien: Eduardus-Krankenhaus, Altenzentrum St. Heribert, Haus Nikolaus/Haus Stephanus der Alexianer, TeeNTown, Bernhard-Letterhaus-Jugendwohnheim, Köln-Ring, FamilienForum, Schulen, u.a.
  3. Kirchliche Verbände: Malteser, DJK, Landes AG kath. offene Kinder- und Jugendarbeit, Agiamondo (früher: AGEH), Legionäre Christi, u.a.
  4. Freie Gruppierungen, die Interesse an der Zusammenarbeit mit der Pfarrei haben: deutzkultur, Deutzdialog, Förderverein Historischer Park Deutz, Technische Hochschule, Bürgerzentren, Bürgervereine, Karnevalsgruppen, u.a.

Als Seelsorgebereich, der den Menschen Heimat bieten will, sehen wir es als unsere Auf­gabe, für Ihre Anliegen offen zu sein sowie durch Information, gegenseitige Beteiligung an Projekten, Gebet und Gottesdiensten uns mit diesen zu vernetzen.

Bei der Vielzahl von Initiativen und wechselnden Interessen sehen wir es auch als unser An­liegen, Gruppierungen und Menschen Raum zu einem würdigen Abschied zu geben, wenn sie ihre Aufgaben nicht mehr erfüllen können oder ihr ehemaliger Auftrag gesellschaftlich an­erkannte Realität geworden ist und es keiner besonderen Initiative mehr bedarf. Dabei haben wir auch im Blick, dass es auch „Wille Gottes“ sein kann, Dinge loszulassen.

3. Die Gemeindezentren als Mittelpunkt evangelisierenden Handelns

Mittelpunkt dieses Konzepts ist der Mensch in seiner Sehnsucht nach Begegnung und Weg­begleitung durch Menschen und durch Gott, in Wort und Tat. Bevor Kirche zur Heimat für Menschen werden kann, braucht es Berührungsorte, an denen erlebbar ist, wie eine leben­dige Gottesbeziehung unser Leben bereichert und wie Sakramente uns im Alltag stärken. Wir wollen nach Kräften Wege stärken und öffnen, die diese Beziehung fördern.

Dreh- und Angelpunkt für den Zugang zur Kirche und dem liturgischen Geschehen sind unsere Gemeindezentren. In dieser Weise bergen diese Zentren die Grundfunktionen von Kirche:

  • „Diakonie“ (altgriechisch διακονία diakonia‚ Dienst‘ von διάκονος ‚Diener‘), verkörpert durch das Pfarrzentrum als Ort des Dienstes für die Menschen, als „Dienstleistungs- zentrum“ für die Gemeinde und als Ausgangspunkt für soziale Aktivitäten im Stadt­teil.
  • „Koinonie“ als Ort der Begegnung und Gemeinschaft in Dialog und Mahl (Fest), im Sinne des 2. Vatikanischen Konzils nicht nur der Christen untereinander, sondern als offener Ort für alle Bürger für alle Menschen guten Willens
  • „Liturgie“ (von griechisch λειτουργία leiturgia‚ öffentlicher Dienst‘, aus λαός/λεώς leĩtos ‚Volk‘, Volksmenge‘ und ἔργον érgon ‚Werk‘, ‚Dienst‘), verkörpert durch geistl. Im-pulse, die den Weg in den Kirchenraum vorbereiten.

So findet sich hier Raum zur Reflexion und Einübung dessen, was in den liturgischen Feiern im Kirchenraum erlebt und ersehnt werden kann – oder im Anschluss an die Feiern nach­klingt.

3.1 „Forum am Deutzer Dom“

Das „Forum am Deutzer Dom“ versteht sich als überdachter Teil des Vorplatzes von St. Heribert. Es soll Menschen vor der Kirche ansprechen und einladen, ihren Glauben und ihr Leben zu teilen und zu formen. Nachdem das frühere Pfarrheim seit langem nicht mehr voll genutzt werden konnte, besteht die besondere Herausforderung, diesem Ort einen Sitz im Leben der Menschen in Deutz und im Seelsorgebereich zu geben.

Das Forum am Deutzer Dom ist ein Ort, an dem Menschen, unabhängig zu ihrer Nähe und Ferne zur Kirche, die christliche Botschaft in Liturgie, Begegnung und Angeboten erfahren. Als offenes, zur Kirche und zum neu gestalteten Kirchplatz – der zugleich Marktplatz ist – orientiertes Haus, steht der Neubau für die enge Verzahnung von Kirche und Stadtteil. Es ist eine Herausforderung für die Gemeinde, dieses Zeichen mit Leben zu füllen.

3.1.1 Liturgie und Spiritualität

Auch wenn die Kirche nebenan der originäre Ort für die Eucharistie als die „Quelle und der Mittelpunkt des Glaubens“ ist, besteht hier Raum für kleine Gottesdienstkreise. Daneben werden verschiedene Formen der Laienliturgie gepflegt. Hierzu gehören z.B. die Tagzeiten­liturgie oder das Taizé-Gebet. Auch freie Formen des Gebetes, der Meditation und der Hin­wendung zu Gott haben hier einen Ort. Ebenso besteht die Möglichkeit, den Gebetsschatz der Kirche kennen zu lernen und einzuüben.

3.1.2 Katechese

Katechese, Einübung von Handeln aus dem Glauben, gehört zu den Kernaufgaben der Kir­che. Das Forum wird für Tauf-, Kommunion- und Firmkatechesen bereitstehen. Mitmach­ausstellungen dienen mit ihrem katechetischen Charakter der Vermittlung von Glaubens­wissen und Lebenskultur.

3.1.3 Familienzentrum

Das Familienzentrum ist der verlängerte Arm unserer Kindertagesstätten mit Angeboten für junge Familien und ihren Kindern. Es reicht von Krabbelgruppen über Bastelnachmittage bis hin zu Angeboten für Eltern und Großeltern.

3.1.4 Jugend

Junge Menschen haben im Obergeschoss einen eigenen Bereich, doch stehen auch alle an­deren Bereiche für Veranstaltungen der Jugend, insbesondere KjG und Messdiener, offen. Sie sollen auch bei unerprobten Dingen Raum finden, sich über ihren Glauben auszutau­schen.

3.1.5 Bücherei

Die KöB St. Heribert bietet über 3000 Medien (Bücher, Zeitschriften, Hörbücher) zum Ver­leih. Im Mittelpunkt stehen Leserinnen und Leser, die keine weiten Wege auf sich nehmen können: Kinder, junge Familien, Seniorinnen und Senioren.

3.1.6 Bildung, Fortbildung, politische Bildung

Qualifizierung und Weiterbildung ehrenamtlicher Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus allen pastoralen Bereichen gehört zu einer wichtigen Aufgabe der Pfarrei. In Zusammenarbeit mit dem katholischen Bildungswerk und den in der Pfarrei tätigen Verbänden geht es um Befähi­gung und Begleitung von Engagement in Kirche, Gesellschaft und Politik.

3.1.7 Offene Arbeit

Das Café „Zur Tempelmadame“ (zum Gedenken an die Stifterin der Kirche) im Erdgeschoss ist ein „Willkommensort“, ein Ort, an dem sich Menschen zweckfrei aufhalten können. Es steht offen für Angebote nach den Messen, für Initiativgruppen, die für andere Kontakt bei einer Tasse Kaffee ermöglichen wollen (Seniorencafé, Begegnung von Menschen mit und ohne Migrationshintergrund).

3.1.8 Pastoralbüro, Beratung und Lebenshilfe

Die Caritas in Deutz und Kölsch Hätz bieten Sprechstunden zur Bewältigung von Problemla­gen an. Darüber hinaus stehen die Mitarbeiterinnen im Pastoralbüro zum persönlichen Ge­spräch bereit und können Verbindungen zu professionellen Anbietern im Bereich der Erzie­hungs-, Beratungs- und Bildungsarbeit oder sportlichen Angeboten in der katholischen Kirche herstellen.

3.1.9 Nicht nur für die Pfarrei

Über die Nutzung von pfarrlich orientierten Gruppen hinaus, soll hier ein für alle offener Ort der Begegnung entwickelt werden. Ein Raum, der sich zum Stadtteil öffnet – ein „Forum“ nicht nur für Aktivitäten der Kirchengemeinde, sondern auch für kulturelle Veranstaltungen und soziales Engagement im Stadtteil (Deutzkultur, Förderverein hist. Park Deutz), ein Ort zum Reflektieren und „Ent-decken“ transzendentaler Bezüge.

3.2 Gemeindezentrum St. Urban

Das Gemeindezentrum im Norden des Seelsorgebereichs wurde als Einheit zur Kirche geplant und ist nicht von ihr zu trennen. Sie bilden ein Zentrum in der Stegerwaldsiedlung. Hier findet sich der größte Saal im Seelsorgebereich. Das Gemeindeleben wird durch die Internationale katholische Seelsorge mit ihrer frankophonen und der rumänischen Gemeinde bereichert. Die äußerst wertvolle Architektur des Ensembles, die Nähe zum Familien-Forum und zum kath. Jugendzentrum TeeNTown, und nicht zuletzt große Neubauflächen mit hoher Zuzugserwartung, ermutigen uns, den Kirchenbetrieb und damit das Erbe von Prälat Steger­wald, der diese Siedlung baute, weiter zu pflegen.

3.3 Hl. Dreifaltigkeit

Im Rahmen der Sparmaßnahmen von „Zukunft heute“ wurde das Grundstück der Pfarrei (au­ßer der Kirche Hl. Dreifaltigkeit und dem Campanile) an die Alexianer Köln GmbH verpach­tet. Die Alexianer haben die ehemaligen Gebäude der Gemeinde größtenteils abgerissen und dort u.a. eine Kindertagesstätte, ein Pflegeheim und ein Begegnungszentrum errichtet, in dem der Gemeinde eingeschränkt eine Mitnutzung von Räumen möglich ist. Für eine neue pastorale Schwerpunktsetzung sehen wir daher dort kaum eine Perspektive. Zudem ist in der langen Übergangszeit von Abriss und Neubau das ehemals rege Leben vielfach nach St. Jo­seph (z.B. Bücherei) übergegangen.

3.4 Gemeindezentrum St. Joseph

Das neben Kirche St. Joseph und der KiTa gelegene Gemeindezentrum ist nach dem Weg­fall der Räumlichkeiten von Hl. Dreifaltigkeit der einzige verbliebene Versammlungs- und Be­gegnungsort der Pfarrei St. Joseph und Hl. Dreifaltigkeit. Das Gemeindezentrum umfasst im Wesentlichen den Pfarrsaal mit kleiner Küche, die Räumlichkeiten des Pastoralbüros, Gesprächs- und Gruppenräume, einen Jugendkeller sowie die Pfarrbücherei.

Für die Menschen aus dem Veedel ist das Gemeindezentrum zusätzlich zu den beiden Kirchen der lebendige Ort kirchlichen Lebens in Poll. Es ermöglicht als Versammlungsstätte und offener Gemeinschaftsort dauerhafte Bindungen an Kirche und unsere Gemeinde. Sowohl für schon lange im Veedel lebende Menschen als auch für neu Zugezogene ist es eine verlässliche, kirchliche Heimat. Hier kann Kirche nahe bei den Menschen sein. Im Sinne des Pastoralen Zukunftsweges ist das Gemeindezentrum somit ein wichtiger Baustein einer zukunftsweisenden Gemeindepastoral für die Pfarrei St. Joseph und Hl. Dreifaltigkeit.

Die lebendige Nutzung des Gemeindezentrums und das kirchlich motivierte Leben im Veedel wollen wir durch Schlaglichter veranschaulichen:

  • Treffen zur Taufkatechese und zur Erstkommunion-Vorbereitung, Kleinkinder-Gottes­dienste, Vorbereitung auf die Firmung
  • Pfarrbücherei „Lesezeichen“, mit besonderen Angeboten für Kinder, Menschen mit Migrationshintergrund und Familien. Aktionen wie „Büchermeilen“, Kirchencafé jeden Sonntag
  • Spezielle Angebote für obdachlose Menschen, Aktionen der Gemeindecaritas
  • Veranstaltungen, bei denen die Gemeinde im Jahr besonders zusammenkommt: Pfarrfest, Oster- und Weihnachtsbasare, Karnevalsfeiern, Gemeindefrühstück
  • Nutzung für Angebote des kath. Familienzentrums, z.B. Eltern-Kind-Kurse, Familien­beratung, Familienbildung, Willkommenstag für junge Familien
  • Nutzung durch die KiTa St. Joseph
  • Mittelpunkt der Kinder- und Jugendarbeit der KJG und Messdiener (Jugendkeller, offenen Jugend-Treffen, Vorbereitung von Zeltlagern und Freizeiten, Jugendpartys)
  • Treffpunkt und teilweise Probenraum verschiedener Chöre der Pfarrei
  • Gremiensitzungen (KV, PGR, OA, u.a.)
  • Treffpunkt von Familienkreisen, Senioren, kfd, Eine-Welt-Gruppen
  • Bildungs- und Kulturangebote, Erwachsenbildung, Frauenforum „Einblick“

Weitere Veranstaltungen der Pfarrei, die wegen der eingeschränkten Nutzungsmög­lichkeiten nur durch die Anmietung anderer Räume stattfinden können: Konzerte (Poller Irish Night), Pfarrkarneval Zint Jupp, Proklamation des Kinderdreigestirns der Pfarrei, Vorstellungen der Theater-Gruppe „Die Pollypen“

Das in dieser Weise mit Leben gefüllte Gemeindezentrum stößt jedoch seit Jahren schon an seine Grenzen und wird den Anforderungen an eine zukunftweisende Gemeindepastoral nicht gerecht. Es ist ein altes Gebäude, das über mehrere Bauphasen entstanden ist und das altersbedingt und aufgrund von anhaltendem Sanierungsstau in einem erneuerungsbe­dürftigen Zustand ist. Ferner besitzt es kein modernes Raumkonzept und ist nicht barriere­frei.

Daher halten wir Baumaßnahmen in Form einer Sanierung und eines Umbaus oder in Form eines Neubaus für dringend erforderlich. Zusammen mit dem Kirchenvorstand und dem Orts­ausschuss der Pfarrei St. Joseph und Hl. Dreifaltigkeit möchte sich der Pfarrgemeinderat für die Planung und Umsetzung dieser Maßnahmen einsetzen, um neue pastorale und soziale Perspektiven für das Gemeindeleben und die Menschen vor Ort zu ermöglichen.

3.5 Perspektiven für das Gemeindeleben in St. Joseph und Hl. Dreifaltigkeit

Das vielfältige Gemeindeleben und die bestehenden Angebote wollen wir stärken und für die Zukunft weiterentwickeln. Es ist unabdingbar, neue Perspektiven für unsere Gemeinde und die Menschen in unserem Veedel zu entwickeln. Diese sind teilweise eng mit den angedach­ten Baumaßnahmen am Gemeindezentrum von St. Joseph verbunden oder nur durch diese zu realisieren. Dabei sind uns die folgenden Punkte besonders wichtig:

Vertiefung einer Willkommenskultur
Dazu gehört, dass die Räumlichkeiten der Gemeinde (Pastoralbüro, Pfarrbücherei, Pfarrsaal, etc.) einladend und ansprechend gestaltet sind. Dies ist beim derzeitigen Zugang zum Gemeindezentrum nicht gegeben; insbesondere ist dieser nicht barriere­frei. Durch eine Neugestaltung des Eingangsbereiches oder ggf. eine Verlegung des Zugangs neben die Kirche St. Joseph erhoffen wir uns hier eine deutlich positive Ver­änderung.

Offenheit und Nähe zu den Menschen
Was durch eine Willkommenskultur begonnen wird, muss auch praktisch umgesetzt werden: Die Einbindung von Menschen mit Behinderung und unsere Angebote für alte Menschen sollen weiter gefördert werden. Dies ist nur möglich in einer barriere­freien Einrichtung, die das Gemeindezentrum im jetzigen Zustand (vor allem im Sani­tär- und Eingangsbereich) nicht ist.

Junge Familien in den Blick nehmen
Die bestehenden Eltern-Kind-Kurse der Gemeinde und die Angebote des Familien­zentrums sind von besonderer Bedeutung, da sie für junge Familien erste oder er­neute Anknüpfungspunkte an unsere Gemeinde darstellen. Darüber hinaus könnten durch geeignete Umbauten Räumlichkeiten geschaffen werden, die für die Betreuung von Kindern unter zwei Jahren genutzt werden können, z.B. im Rahmen der Kinderta­gespflege. Damit könnten z.B. Tagesmütter und -väter unterstützt werden, dort ihre Betreuungsangebote anzubieten. Außerdem wäre es denkbar, dass das Familien­zentrum seine Angebote (um z.B. Babymassage oder Rückbildungskurse) in dafür geeigneten Räumen erweitert. Wir wollen damit die Lebenssituationen von jungen Familien, deren Zuzug nach Poll in den kommenden Jahren weiterhin stark zu erwar­ten ist, in den Blick nehmen und Verbindungen an unsere Gemeinde ermöglichen. Die räumliche Nähe zur KiTa St. Joseph bietet darüber hinaus Kooperationsmöglich­keiten (z.B. die gemeinsame Nutzung des großen Außengeländes oder die Küche der KiTa).

Ehrenamtliches Engagement stärken
Das Gemeindeleben wird ganz wesentlich von einer großen Zahl ehrenamtlich enga­gierter Gemeindemitglieder getragen und wird nur durch diese eine Zukunft haben. Dafür sind Unterstützung und Wertschätzung erforderlich, die sich beispielweise auch in Ausstattung und Zustand des Gemeindezentrums zeigen.

Besonders wollen wir das Engagement junger Menschen, vor allem im Jugendver­band KjG herausstellen. Diese wertvolle und eigenverantwortliche Arbeit für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene gilt es weiterhin zu fördern. Dazu gehört auch in der Zukunft die Bereitstellung von geeigneten Räumlichkeiten, wie es aktuell durch den Jugendkeller der KjG gegeben ist.

Ausrichtung auf Nachhaltigkeit
Alle Baumaßnahmen sollen einen nachhaltigen und klimaschonenden Betrieb des Gemeindezentrums für die Zukunft sicherstellen. Damit möchten wir einen kleinen Beitrag zum Erhalt der Schöpfung leisten. Außerdem sollen alle Planungen an den finanziellen Möglichkeiten der Pfarrei auch in der Zukunft ausgerichtet sein.

Flexible Nutzung des Gemeindezentrums
Obwohl nebeneinander gelegen, sind Pfarrsaal und Pfarrbücherei im Gemeinde­zentrum baulich getrennt und können nicht zusammenhängend genutzt werden. Für die Pfarrbücherei könnte eine einfache Mitbenutzung der Küche und bei größeren Veranstaltungen eventuell auch des Pfarrsaals von Vorteil sein. Ebenso wäre eine Vergrößerung des Pfarrsaales und Öffnung in Richtung der Bücherei für einige Ver­anstaltungen wünschenswert. Durch Baumaßnahmen wollen wir daher eine besser kombinierbare, flexible Nutzung alle Räumlichkeiten des Gemeindezentrums, insbe­sondere von Pfarrsaal und neuer, vergrößerter Küche anstreben.

4. Das Katholische Familienzentrum DeutzPoll

Ein innovativer Ort kirchlichen Lebens
Das Katholische Familienzentrum ist ein Zusammenschluss kirchlicher Träger im Seelsorge­bereich Deutz-Poll. Es hat die koordinierte Unterstützung familiären Lebens zum Ziel und versteht sich als ein Netzwerk im Seelsorgebereich. Es unterstützt, fördert, begleitet und berät Familien jeder Konfession/Religion und jeder Sozialform. Alle beteiligten Einrichtungen und Gruppen des Seelsorgebereiches kooperieren und profitieren von diesem Netzwerk.

Das „Kath. Familienzentrum DeutzPoll“ ist ein Verbund der Kindertagesstätte St. Joseph und St. Heribert (Schwerpunkteinrichtung), der Kindertagesstätte SKM Familienzentrum Poll, der Kindertagesstätte „Alexianer Pänz“ und des Familienforums Köln Deutz Mülheim. Die Pfar­reien sind durch Vertreter des Pfarrgemeinderates und der Ortsausschüsse im Koordinati­onskreis eingebunden.

Eine gelebte Willkommenskultur
Innerhalb des Familienzentrums hat jede Einrichtung eigene Schwerpunkte. Diese orientie­ren sich an der besonderen Mission des Trägers und den Ergebnissen der Sozialraum­analyse. In einem Stadtraum, in dem die meisten jungen Familien zugezogen und ohne gewachsene Kontakte sind, bilden sich hier zahlreiche Anknüpfungspunkte zu einem guten Miteinander im Veedel. Für die Pfarreien ergibt sich hier die Gelegenheit, die jungen Fami­lien aus dem Bereich der Kindertagesstätten in die Alltagswelt des Veedels zu begleiten. Folgende Aufgaben stellen sich den Gruppierungen der Pfarrgemeinden:

Bereitstellung von Räumen
Für zahlreiche begleitende und unterstützende Angebote des Familienzentrums findet sich in den KiTas kein geeigneter Raum. Die Pfarreien stellen in den Gemeindezentren Räume bereit, in denen Sprechstunden, Arbeitskreise u.ä. Aktivitäten abgehalten werden können.

Liturgische, katechetische und religiöse Angebote für Eltern und Kinder
Die Pfarreien bieten Kinderwortgottesfeiern am Sonntag sowie zu besonderen Festen an. Sie unterstützen das Familienzentrum bei der Organisation der Feste im Jahreskreis (St. Martin, Nikolaus, Ostern, Erntedank, Weihnachten). Außerdem begleiten sie Feiern an den kleinen und großen Lebenswenden (Anfang und Ende des Kita-Jahres, Jubiläen, Tod von Familienangehörigen).

Gemeinschaftsbildende Angebote
Im generationenübergreifenden Miteinander besteht die Kernkompetenz der Pfarrei. Für junge Familien weiten diese Angebote den Blick und ebnen den Weg für die Phase nach der Zeit in der Kita. So sind sie zur Teilnahme eingeladen zu Familienwandertagen, Stadtteilfüh­rungen, zur Mitwirkung bei Pfarrfesten und Basaren oder auch im (Pfarr-)Karneval.

Caritative Angebote
Auch heute noch können die staatlichen sozialen Netzwerke nicht jeden Notfall unterstützen. Die Caritas steht für materielle, Kölsch Hätz für tatkräftige Unterstützung bereit.

Öffentlichkeitsarbeit
Das Familienzentrum hat einen bevorzugten Zugang zu den Medien und öffentlichen Räu­men der Pfarreien. Es hat seinen Platz auf der Homepage, Raum für Aushänge und Flyer in den Kirchen und Pfarrzentren sowie eine Stimme im Proklamandum vor den Gottesdiensten.

Ausblick
Im Umgang mit jungen Familien erleben wir besonders schmerzhaft eine Entfremdung von der Kirche und auch eine geringere Bereitschaft zu ehrenamtlichem Engagement. Es ist eine Herausforderung für uns, nicht einfach das Angebot an Veranstaltungen zu erweitern, son­dern als hörende Kirche die Sehnsüchte und Nöte junger Menschen und Familien wahrzu­nehmen und daraus erwachsende Ideen und Initiativen umzusetzen.

5. Was wir Tun wollen.

Das Konzept lebt von dem Bewusstsein, dass wir ein systemrelevanter Teil der Gesellschaft sind. Unser Engagement trägt wesentlich zu einem friedvollen und versöhnten Umgang der Menschen in unseren Veedeln und darüber hinaus bei. Um dieses Erbe weiterzutragen, rich­ten wir unser Tun an folgenden Optionen aus

  1. Kirche lebt vom Ehrenamt. Wir stärken ehrenamtliches Engagement durch eine wertschät­zende Grundhaltung und Förderung vorhandener individueller Charismen und bieten Raum, sie zu entfalten.
  2. Wir vertiefen die Zusammenarbeit mit den Gemeinden anderer christlicher Konfessionen und suchen nach weiteren Möglichkeiten zur Kooperation.
  3. Wir fördern die Einbindung aller Menschen in unser aktives Gemeindeleben, unabhängig von Geschlecht, Nationalität und Lebensentwurf.